20. Mrz. 2009
Okay, ich hab’s gestern nicht mehr geschafft. Aber dafür berichte ich dann direkt heute morgen von meinem letzten Donnerstag, damit es auch ganz sicher nicht unter den Tisch fällt:
Donnerstag, 12. März 2009 - 19.30 Uhr…

Wie’s war? Blöde Frage! Das war natürlich einer der besten Live-Gigs, den ich je gesehen habe! Und glaubt mir ruhig, dass das trotz der erst 21 kurzen Lenze schon einige waren. Ganz ehrlich habe ich es aber auch so erwartet und wäre echt enttäuscht, wäre es nicht so gewesen. Auf Jason Mraz bin ich ursprünglich eigentlich nur über Umwege gekommen. Auf irgend’ner Autofahrt mit meiner Cousine hatte ich ein Album von Gavin DeGraw im Player (Kennt den eigentlich jemand? Siehe Theme-Song zu “One Tree Hill”. Glaube, der ist in DE noch nicht ganz angekommen.), welches wir uns recht aufmerksam angehört und anschließend analysiert haben. Ein paar Tage später drückte sie mir, mit den Worten “Hier, hör dir den mal an!”, eine CD in die Hand. Da drauf stand dann eben “Jason Mraz” – hatte ich noch nie gehört.
Neue Sachen höre ich am liebsten im Auto. Warum weiß ich auch nicht. Vielleicht unterbewusst wegen der vorbeiziehenden Bilder dazu – keine Ahnung, aber darum geht’s ja auch gar nicht. Ich habe die CD jedenfalls eingelegt und direkt beim ersten Song (das war dann “Make it Mine” von “We Sing. We Dance. We Steal Things.”) war ich schon komplett mitgerissen und von Grund auf begeistert. Irgendwie total Easy Listening, aber doch von vorne bis hinten durchdacht, mit einer Leichtigkeit und gewissen Coolness gesungen, wie noch nie gehört, selten groovig und bereichert mit ‘nem Bläsersatz, in den ich mich sofort verliebt hatte. Nach der Hälfte von “Make it Mine” wusste ich schon: Yo! Den mag ich!
Und jetzt hab’ ich schon wieder viel zu weit ausgeholt. Um mal auf den Punkt zu kommen: Recht pünktlich stiefelte so’n kleines, sympathisch schüchternes Ding auf die Bühne. Marit Larsen war für diesen Abend Jason’s Support. Sie hatte Verstärkung von zwei weiteren Damen sowie einem Herren. Die instrumentale Besetzung war ziemlich ungewöhnlich (Cello, Mandoline, Glockenspiel/Floortom, Akkustikgitarre/Piano) und was dabei rauskam, klang auch genau so: Sehr, sehr eigen und mindestens genauso Innovativ. Im Grunde recht ruhige Musik, die es aber mit einfachen Mitteln (siehe Floortom) verstand, ausbruchsweise richtig Druck dahinter zu bringen. Marit Larsens Stimme erinnerte mich sofort an den vorigen Tag. Ein wenig klang sie doch wie Maria Mena. Dieses Kleine, Zerbrechliche, total Interessante und irgendwie Verträumte, das den eigenen Lippen wohlwollend ein Lächeln aufzwängt. Und siehe da: Sie war sogar ebenfalls Norwegerin. Hört einfach selbst mal rein. Beschreiben kann man schließlich lange, aber auch wenn’s mir Spaß macht, zu versuchen, das alles in Worte zu fassen, ist es witzlos ohne Hörprobe: http://www.myspace.com/maritlarsen
Das Capitol in Hannover war voll. Aber angenehm voll. Und ich konnte sehen. Nicht so, wie einen Tag zuvor im Docks zu Hamburg. Das Publikum war wirklich im Alter von 12 – 60 Jahren, was ich super finde. So Zeitlose Musik verbindet eben sogar Generationen. Okay, natürlich waren’s mehr Frauen. Und die standen natürlich alle ganz weit vorne und riefen alle kräftig nach “JASOOOOOOOOON!!!”. Als “Mr. A – Z” (so auch der Name seines zweiten Longplayers) dann die Bühne betrat wurde es laut – richtig laut! Als erstes spielte er “Make it Mine” und für mich hat sich das angefühlt, wie beim ersten Hören im Auto (ihr erinnert euch): Ich hab’ mich einfach nur gefreut! Zuerst sah die Besetzung der Band nach Schlagzeug/Bass/Gitarre/Percussion aus, aber als dann im entsprechenden Part des Songs ein dreiköpfiger Bläsersatz unerwartet aus dem Nichts erschien, hab’ ich mir vor Freude fast in die Hose gemacht. Da wurde dann als Leckerbissen auch direkt ein Saxophon-Solo in den Song eingebaut, das Publikum und Band gleichermaßen mitgerissen hat. Und da muss ich auch gleich ganz, ganz laut erwähnen, dass Jason sich über die gesamte Spielzeit in KEINEM Moment vor seine Band gestellt hat oder in irgendeiner Art und Weise selbstdarstellerisch wirkte, was ihn noch sympathischer macht, als er sowieso schon rüberkommt.
Ich war unwahrscheinlich davon fasziniert, wieviel Freiheit er sich in seinen Songs nimmt. Von “You and I Both” habe ich jetzt beispielsweise schon gefühlte hundert verschiedene Versionen per YouTube gehört. Dann gehe ich auf dieses Konzert und er spielt die hundertunderste Version und macht den Song damit nochmal so interessant wie beim ersten Hören – unglaublich. Und natürlich, so sorgt er auch für sich selbst dafür, dass ihm sicher nicht langweilig wird.
Der einzige Schönheitsfehler an diesem Abend war Jason’s aktuelle Single “Lucky”, die eigentlich ein Duett mit Colbie Callait ist. Grundsätzlich spielt er diesen Song live dann jeweils mit seiner “Supporterin”. Marit Larsen kam also zurück auf die Bühne. Allerdings wirkte das Folgende, als wäre sie in der Zwischenzeit hinter der Bühne komplett umgekrempelt geworden. Sie war sichtlich nervös, aufgeregt und total unsicher. Sowohl in ihrem Auftreten als auch im Gesang, weshalb sie einen nach dem anderen Ton daneben sang. Das tat mir ein schon ein wenig Leid, weil ich ja zuvor gehört hatte, wie gut sie doch eigentlich kann. Vielleicht war sie diesen Abend neben Jason einfach besonders nervös – schade.
Das aber nur am Rande, da der kleine Fehler dort oben bei der ansonsten musikalisch perfekt ausgefeilten Darbietung für mich einfach unter den Tisch fiel. Zwischen den Songs riss Jason Witze am laufenden Band und verarschte die Leute, die es sich oben in einer Art verglasten Balkon, der im Capitol den Raucherbereich darstellte, gemütlich gemacht hatten. Natürlich zurecht und das Publikum stimmte ihm da vollkommen zu, denn von “gemütlich” kann man natürlich in einem Raum, in dem man die eigene Hand vor Augen nicht mehr sieht, natürlich nicht wirklich sprechen. Und außerdem gibt man doch keine 30€ aus, um sich da oben reinzusetzen und durchgehend zu rauchen. Naja, jedem das Seine…
Jason Mraz ist jedenfalls mehr als ein verdammt guter und eigenartiger Musiker. Und ich behaupte einfach mal dreist, dass Leute, die Robbie Williams einen Entertainer nennen, einfach noch nie auf ‘nem Jason Mraz Gig waren!