15. Feb. 2008
(Kathrin) Hätte ich auf dem Alter Bridge Konzert im Docks am Samstag dieses Shirt getragen, wäre ich der King (bzw. die Queen) gewesen.
Aber ich greife den Ereignissen vor

Zuerst mal, warum gehe ich zu einem Alter Bridge Konzert? Es war kurz vor Weihnachten als Inpromo sich zu einem kleinen Umtrunk auf dem Weihnachtsvergnügen bei den Deichtorhallen traf. Ich schnackte mit Fabi ein bisschen über Mucke machen, Mucke aufnehmen und Mucke hören und das Gesprächsthema landete bei Creed / Alter Bridge und der Gewissensfrage: was hörst du lieber?
Meine Antwort war eindeutig Creed, einfach weil die Creed Songs schon “sitzen”, während ich mich bei Alter Bridge nach wie vor noch am Einhören bin. Fabis Reaktion (à la “wie? Bestimmt nur wegen Scott Stapp, ne?”) nach zu urteilen, liegt seine Vorliebe bereits eher bei Alter Bridge;).
Wie auch immer, jedenfalls schaute ich beim wöchentlichen Konzertcheck am folgenden Wochenende auch nach einer eventuellen Alter Bridge Tour und siehe da, ein Hamburg Termin stand an.
Ticket geholt -> bei Fabi damit angegeben -> Fabi einen Konzertbericht versprochen (da er selbst an dem Konzert-Abend einen Gig hatte und deshalb nicht mitkommen konnte).
09.02.08
Ich lief gegen 19:00 h beim Docks auf. Normalerweise würde ich ne Stunde vor Einlass auftauchen (wäre in diesem Fall 17 Uhr gewesen), da ich im Grunde immer gern direkt an die Bühne gelehnt stehe
, aber in diesem Fall, wollte ich keinen Hardcore Fans die guten Plätze wegnehmen und liess es daher später angehen.
Vorm Docks standen zwei Notarztwagen. Ich dachte noch: “komisch, soviel in Ohnmacht fallende Teenie Mädels erwarte ich bei dem Konzert eigentlich nicht”. Nach dem Konzert, war mir die Anwesenheit der Notärzte dann etwas klarer geworden
Der Abend begann dann wie schon fast gewohnt: Ich wandere hinter einer anderen Frau gen Security Check. Der gute Bouncer/Security Mann sagt ihr “Damen bitte rechts einreihen”. Sie wandert in Richtung der 3 m entfernten rechten Schlange ab, ich tapere ihr hinterher. Der Security Mann schaut mich an und betont: “DAMEN (!!!!) rechts einreihen”. Ich “Jo, danke, ich bin eine.” Natürlich hätte ich sagen sollen “Soll ich ihnen meine Chromosomen zeigen?” Aber hinterher ist man ja immer schlagfertiger
Das Docks war wie erwartet bereits gut gefüllt. Das Konzert war ausverkauft.
Der opening act Enjoy Destroy rockte dann auch gut und erntete sogar einige “Zugabe”-Rufe am Ende ihres Sets. Der Bassist war offensichtlich Angus Young Fan, was aber dem Spass keinen Abbruch tat;). Später schlug sich besagter (übrigens leicht vertically challenged …) Bassist durch die Menge (zwecks Getränkebeschaffung nehme ich an) und wieder zurück gen backstage (weitgehend unerkannt übrigens).
Während des opening acts dachte ich noch, dass die Songs irgendwie ziemlich gleich klangen und vor allem der Sänger sich nicht richtig durchsetzen konnte und eher, wie ein weiteres Instrument klang. Aber ich schrieb das der eventuellen Unerfahrenheit der Band und wohl auch ihres Soundmannes zu.
Während des Ab-/Aufbaus des Equipments wurden wir mit ein bisschen Led Zeppelin, Metallica und Co beschallt, so dass man sich nicht allzu sehr langweilte. Mehr als eine halbe Stunde dürfte der Umbau auch nicht gedauert haben.
Ich habe allerdings noch nie stage hands gesehen, die beim Soundcheck schon ein bisschen für Stimmung sorgen;). Normalerweise sind Egos da ja auch fehl am Platze aber zwei stage hands haben den Gitarrensoundcheck durchaus gut zur kleinen Selbstdarstellung genutzt, die auch Applaus erntete.
Letztendlich lief dann aber Alter Bridge auf. Tremonti kam als letzter auf die Bühne und es wurde nicht viel Zeit verschwendet und gleich volles Brett gegeben.
Ich gehöre ja zu der Fraktion: Konzerte MÜSSEN laut sein. Den Bass muss man in den Eingeweiden spüren… und DAS war hier ganz sicher der Fall. Allerdings hört der Spass auf, wenn man seine Trommelfelle beim Mitschwingen FÜHLEN kann
Zunächst dachte ich: “Hey, du wirst langsam zu alt für so was”. Und “Hm, das Wolfmother Konzert ist einfach zu lange her, seitdem gab’s nur gemässigtere Singe-Songwriter Mucke und du bist so was einfach nicht mehr gewöhnt”.
Aber gottseidank war ich nicht alleine mit meinem Problem. So rief dann auch ein Typ neben mir zwischen zwei Songs zweifellos in der Hoffnung der Soundmann möge ihn “erhören”: “DER BASS IST ZU LAUT!!”.
Das stimmte so nicht ganz, denn eigentlich war so ziemlich alles zu laut, bis auf Kennedy’s Vocals, die wie schon beim Sänger der Vorband, eher wie eine dritte Gitarre klangen, als dass man irgendwelche Worte oder gar eine Art Melodie hätte erkennen können. Soundbrei galore.
Das ist alles ganz, ganz schade! Denn Alter Bridge ist keine “wir geben einfach volles Brett für zwei Stunden”-Band, bei der es eh wurscht ist, ob man a) die Lyrics mitkriegt, b) sowas wie eine Melodie ausmachen kann. Und Mark Tremontis Soli möchte man sich eigentlich gerne klar und deutlich anhören und nicht im Distortion-Teppich einer weiteren Gitarre und des Basses kläglich untergehen hören.
Ich spielte demzufolge auch mit dem Gedanken zu gehen oder aber mir meine in-ear Kopfhörer in die Ohren zu stopfen, damit ich noch mit ansatzweise funktionierendem Gehör das Konzert verlassen würde.
Ich tat beides nicht. Wobei ich mir die in-ear Kopfhörer aber zumindest schon aus den Hosentaschen gekramt hatte und sie mir um den Hals gehängt hatte. Auf’s Aufsetzen verzichtete ich aber, … weil so eine Aktion doch irgendwie uncool ist;). Wobei ein Typ direkt vor mir, sich ein paar von Taschentüchern abgerissene Stoffstreifen in die Ohren wurschtelte.
Es gab *grübel* 2 oder 3 Zugaben. Um eine genaue Setlist runterzurattern, kenne ich die Band nicht gut genug. Wobei ich aber auch bei anderen Konzerten keine Setlists mitschreibe, weil ich das Konzert miterleben will und nicht auf einen Notizzettel starren;).
Die Band war ansonsten gut drauf und hatte sichtlich Spass. Kennedy versprach: “We’ll be back” und schmeichelte uns mit “you were really great”.
Überhaupt weiß die Band, wie sie ihr Publikum zu pflegen hat. Speziell Tremonti sorgte dafür, dass niemand sich beschweren konnte, er hätte sich nicht um ihn gekümmert. Praktisch bei jedem Song, wechselte er mehrmals von seinem Stammplatz auf der rechten Bühnenseite rüber in die Gefilde des Bassisten, damit ihm auch das dortige Publikum etwas genauer auf die Finger schauen konnte.
Kennedy übte die typischen audience participation Aufgaben eines Lead Sänger aus und rief mehrfach zum Mitsingen auf (”Sing along as much as you want to. I love that!”), liess das Publikum Refrains alleine übernehmen und “dirigierte” das Begeisterungs-/Mitschrei-Level (rechte Publikumshälfte Schreien lassen, linke Hälfte Schreien lassen und umgekehrt;-)).
Ebenso waren alle sehr freigiebig mit ihren Plektren und der Drummer sogar mit seinen Sticks, von denen er, wenn ich richtig gezählt habe, gleich 3 Paar am Ende der Show ins Publikum warf. Die Setlist Sheets hatte sich Kennedy am Ende auch geschnappt und hatte den ganzen Stapel in der Hand. Allerdings hab ich nicht mitbekommen, ob er die selbst mitnahm oder noch ins Publikum verteilte, aber ich denke mal Letzteres wird der Fall gewesen sein.
Beim Rausgehen hörte ich aus dem Publikum noch Folgendes: “Boah, was für ne Lautstärke! Rock am Ring ist ja nichts dagegen!”
Und:
“Tja, wie gesagt, schade, dass man den Sänger überhaupt nicht heraushören konnte.”
Ich weiß nicht, wer für den versauten Sound verantwortlich gemacht werden muss. Entweder der Soundmensch hat keine Ahnung, was er tut (mixmässig) oder es hätte alles okay geklungen, wenn die Anlage nicht für so einen kleinen Club, wie das Docks, gnadenlos überdimensioniert gewesen wäre.
ODER das Docks hat generell einfach eine Scheiss-Akustik;). Es war mein erstes Konzert dort (bin sonst eher in der Grossen Freiheit, im Grünspan, Imperial Theatre oder der Prinzenbar) und daher hab ich keine Erfahrungswerte. Diesen Punkt werde ich aber Ende des Monats beim HIM Konzert klären können
PS: mein Gehör hat sich dann doch weit schneller erholt, als ich es gedacht hätte. Glaube, nach dem letzten HIM Konzert, vor 10 Jahren oder so, hielt ein netter Pfeiffton locker bis zum nächsten morgen an. Aber damals war die Soundquali während des Konzerts top, halt nur auch SEHR laut 